Galerie m50

COLLAGEN
Ausstellung: 15.01. – 18.02.2011

Collagen / Materialbilder haben eine lange Tradition. Die ältesten Beispielen
stammen aus dem Japan des 12.Jhs: Die Kalligrafen gingen dazu über, die ihnen
anvertrauten Werke der Dichter auf solche Bögen zu schreiben, die mit zart-
farbigen Papieren beklebt waren. Die so entstandenen Kompositionen bestanden
aus unregelmäßig aneinander ge-fügten Flächenformen. Die gerissenen oder aus-
geschnittenen Konturen wurden, in Wellenform, mit dem Pinsel über tuscht. Die
Kalligrafen wählten diejenigen Collagen, als Unterlagen, aus, die am besten der
Dichtung entsprach. In eleganten Schriftzügen schrieben sie darauf. (Am berühm-
testen sind die aus 31 Silben bestehenden waka-Verse der Dichterin Ise.)
Die Technik der Collage (coller (frz.) = kleben), später der Assemblage (assembler
(frz.) = zs.fügen) wurde von den Künstlern um 1910 wieder entdeckt und, seit dem,
bis heute angewendet.
Die Kubisten arbeiteten mit hohem Abstraktionsgrad. Häufig zeigten sie Bildgegen-
stände zersplittert und von mehreren Seiten. Erstmals ergänzten sie ihre gemalten
oder gezeichneten Bilder mit echten Objekte (Tapetenreste,
Partituren-Fragmente, Zeitungspapier, u.v.a.), die sie auf das Trägermaterial auf-
klebten. Die papiers collés wurden die Grundlage der Kunsttechnik Collage.
Die Entwicklung der Collage war so gut möglich, weil sich die Denksysteme in der
Kunst, mit Beginn des 20.Jhs, stark
gewandelt haben. Diese Wandlung hat das Wesen der Collage begreifen lassen.
Erst die Verbindung der, vom Künstler geschaffenen, Darstellung mit der Wirklich-
keit der, vom Künstler eingeführten, realen Gegenstände macht das Kunstwerk les-
bar.
Das Kunstwerk soll in der gleichen Weise, wie die Realität, erlebt werden. Aber nicht
als zweite Welt jenseits der Wirklichkeit, sondern als ideelles Gegenüber.
Die eingefügten Elemente werden völlig der Komposition unterworfen, aber ihr Cha-
rakter und ihre Herkunft bleibt deutlich. – Betont werden muss, dass die Collage nicht
Ersatz ist, für Malerei. Das ästhetische Prinzip, nicht die Technik ist kennzeichnend.
Hans Arp fand mit seinen Collagen eine lyrische und poetische Interpretation von
Dingen und Formen. Jeder Gegenstand hat, neben seiner funktionellen, eine poten-
zielle Bedeutung.
Wie immer in der Kunst: die bildnerische Ordnung muss von äußerster Sensibilität
für die Form zeugen. Die Präzision der Komposition muss ebenso bewundernswert
sein, wie die Entfaltung des farbigen Reichtums.
Zu sehen sind Collagen von Inge Hölscher, entstanden in den Jahren 2008 und ‘09
im italienischen Volaterrae. – Die Künstlerin arbeitet, neben der Malerei und dem
Zeichnen, schon lange mit dieser Kunstform. Das Arp’sche Prinzip des poetischen
Blicks auf die Dinge des Alltags kommt dem Wesen der Künstlerin sehr entgegen.
Ihre Freude am Assoziieren und Kombinieren, das kreative Spielen mit Formen,
Farben und Findlingen ist ihr wichtig (äußert sie selbst).
Frau Hölscher kombiniert neu oder zerreisst bzw. zerschneidet Verworfenes, über-
malt und stellt wieder neu zusammen. Unter Eindruck der Werke Schwitters’ und
Ernst’ und denen ihres Lehrers Karl Bohrmann, arbeitet die Künstlerin begeistert
mit dieser Kunsttechnik.
Es macht Freude zu entdecken, wie Inge Hölscher in der Tradition Collage arbeitet
und dabei ihre persönliche Erlebnispoesie einsetzt.

Gabriele Wittner
verwendete Quellen: Ewald Rathke (Katalog zur Ausstellung Collagen aus 6 Jahr-
zehnten
, Kunstverein Ffm, 1968); Eberhard Wagner: Herta Wescher Die Collage, 1968

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