Galerie m50

Ausstellung vom 4.September (Eröffnung: 11 – 13 Uhr) bis einschließl. 13.Oktober 2016
ausser von (FR) 30.September bis einschließl. (DI) 4.Oktober 2016

Nach seiner Ingenieur-Tätigkeit nahm Ralph Kerstner für 2 Jahre privaten Kunstunterricht, im Rahmen der Abendschule der Städelschule/Frankfurt am Main, bei Merja Herzog-Hellsteen.

Aufmerksam geworden sind wir auf Kerstners Arbeiten – damals konkrete Stahlplastiken – im Som-
mer 2012 in der letzten Ausstellung der Abendschüler der Städelschule/Frankfurt am Main im Aus-
stellungsraum Schulstraße 1a/Frankfurt am Main.

Die Farbe weiß war zunächst nur unbeachtete Grundierung vieler Leinwände und wurde erst im 20.Jh von ihrer Symbolik befreit. Ihr herausragendstes Merkmal ist die Fähigkeit, Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren, indem sie jede Ablenkung ausschließt (z.B. Erzeugung von Illusion) und dadurch das Nachdenken über Grundfragen des Bildes unmittelbar zulässt.
Robert Ryman, ein wichtiger Vertreter der analytischen Malerei, sei zitiert: „ .. Ich verwende weiß als neutrale Farbe. Diese Eigenschaft erlaubt mir die Konzentration auf das Bild in seiner Gesamtheit. …“
Das Quadrat ist völlig gleichseitig; daher neutral, ausgewogen, beruhigt. Entscheidet sich der Künstler für dieses regelmäßige Viereck, so ist das zwar die Einschränkung in der Wahl der Mittel, eröffnet ihm aber eine Bandbreite an Variationsmöglichkeiten zu ein und dem selben Thema. Wird das Quadrat zusammen gebracht mit einer monochrom weißen Fläche, als „Arbeitsgrundlage“, dann steht fest, dass es dem Künstler nicht um augenscheinliche Effekte, sondern um die sensible Gestaltung der Bildoberfläche geht.
ZERO setzte der Idee der künstlerischen Reinheit die Reinheit der künstlerischen Idee entgegegen; welche die Idee von der Reinheit der Form und des Lichts und seiner im Kunstwerk reflektierten Immaterialität und Spiritualität bedeutet. Diese puristische Idee ist die Idee der konkreten Abstraktion vom Klaren, Genauen, Regelmäßigen, auch Unverfälschten.
Die weiße Nagel-Reliefs von Günther Uecker waren Ralph Kerstners erste Begegnung mit Prägungen und dieser Art von Relief. Diese Arbeiten Ueckers regten den – 1953 im Kreis Koblenz geborenen – Kerstner zu eigenen Erfindungen an. Dazu kam die Begegnung mit den Werken Lucio Fontanas, der 1947 sein Raumkonzept entwickelte, indem er Bilder perforierte und damit – statt eines 2dimensio-
nalen Werks – Plastizität und eine Art Relief erreichte. Bei Fontana entstand das Lochmuster meistens auf monochromen Flächen; eine Begrenzung der Fläche fehlt. Fontana wollte, dass Raum als ein „sich frei entfaltendes, unbegrenztes Kontinuum“ betrachtet wird.
Bei Kerstners Arbeiten darf nicht, fälschlicher, von Prägedruck gesprochen werden, denn dieser Begriff bezeichnet ausschließlich eine Variante der Radierung, bei der die Druckplatte – im Unterschied zum normalen Tiefdruck – starke Erhöhungen, Vertiefungen, Durchbrüche oder aufgelötetes Material auf-
weisen, die sich beim Drucken als Relief in das zu bedruckende Material einprägen, sodass hier gleichzeitig mit Farbe gedruckt und geprägt wird.
Wird ein Reliefdruck dagegen lediglich geprägt, also ohne Farbe gedruckt – so, wie wir es bei Ralph Kerstners Arbeiten der Fall ist –, wird er als Blinddruck oder Blindprägung bezeichnet.
Um sein Bild / seine Idee zu realisieren, verwendet der Künstler Kerstner herkömmliches Werkzeug, aber auch selbst entworfenes bzw. selbst hergestelltes, um das ideale Ergebnis zu erzielen.

Vor uns haben wir ruhige weiße Quadrate in exaktester Manier, die uns Reliefs präsentieren – durch Blindprägung entstanden – und ruhige weiße Quadrate, die uns aufgeschnittene Oberflächen prä-
sentieren. Sie lösen sich verhalten aus der 2Dimensionalität, spielen mit Licht und Schatten. Die Idee von ZERO, von Günther Uecker, von Lucio Fontana, dem „goldenen Schnitt“ und der Konkreten Kunst
finden hier Anwendung („… Ein bildnerisches Element bedeutet nur sich selbst; folglich bedeutet das Bild ebenfalls nur sich selbst. …“ / Theo van Doesburg, 1930).
Wir wollen die Arbeiten erkunden, wollen sie analysieren und wollen uns von ihnen beruhigen lassen.

Ausstellungsbeteiligungen:
2012:
Parallelwelten (letzte Ausstellung der Schüler der Abendschule der Städelschule/Frankfurt am Main), Ausstellungshalle Schulstraße 1A in Frankfurt am Main
2013:
4 Schüler der Abendschule der Städelschule Frankfurt am Main, Galerie m50 in Frankfurt am Main
blau (in Fotografie Grafik Installation Malerei Skulptur), Galerie m50 in Frankfurt am Main
2014:
Petersburger Hängung I, Galerie m50 in Frankfurt am Main
Die Kunst zu Schenken, Kunstverein Walkmühle e.V. in Wiesbaden
2015:
just white, Galerie Kerstner in Kronberg im Taunus
2016:
schnitte.prägen (zs. mit Raimund Göbner), Galerie am Dom in Wetzlar
Einzelausstellungen:
2016:
simply white – konkrete Papierarbeiten von Ralph Kerstner, Galerie m50 in Oberursel (Taunus)

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