PLASTIKEN von ASTRID LINCKE-ZUKUNFT
OXIDATIONS-BILDER von INGRID SPERRLE

Ausstellung seit 6. März  bis auf Weiteres

In dieser unruhigen Zeit in aller Ruhe wunderbare ruhige Kunst ansehen!
Bitte, vereinbaren Sie mit uns einen Termin (0160-8050514).
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

© Astrid Lincke-Zukunft
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© Ingrid Sperrle
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FAZ, 27.04.2020
Reizvoll reduziert
Doppelschau in der Galerie m50
von Christoph Schütte
OBERURSEL. Das ist doch mal ein Versprechen. „In diesen unruhigen Zeiten zeigen wir wunderbar beruhigte Kunst“, lädt Gabriele Wittner die Besucher dieser Tage einzeln in die aktuelle Ausstellung nach Oberursel ein. Wer das konzentrierte Programm der Galerie m50 nur ein wenig kennt, der weiß, was ihn in aller Regel hier erwartet. Kunst, für die etwa das Werk ihres Vaters, des Frankfurter Malers Gerhard Wittner, steht; Arbeiten Rolf Kissels oder die Objekte Ralph Kerstners, eine Kunst mithin, die im Kontext konstruktiv-konkreter Positionen zu sehen ist oder an den Minimalismus anzuknüpfen trachtet.
Und geradeso nimmt sich die „filgran – flächig“ überschriebene Doppelschau und nehmen sich die Positionen Ingrid Sperrles und Astrid Lincke-Zukunfts auf den ersten Blick auch aus. Doch bei genauerer Betrachtung erscheint, wo nicht gleich alles, so doch vieles anders als gedacht. Nicht nur fehlt in beider, je reizvoll reduzierten Arbeiten eine Regel, eine logische Folge oder auch ein mathematisches System, nach dem hier die Frankfurterin Lincke-Zukunft ihre Plastiken, dort die in Leipzig lebende Sperrle ihre Malerei aufbaute. Auch haben beide ihr aktuelles Werk konsequent entwickelt und sind allmählich erst auf ihrem bevorzugt bespielten Terrain gelandet.
Dass etwa Lincke-Zukunft, die an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung studiert hat, eigentlich von der Zeichnung kommt, sieht man Arbeiten wie dem „grünen Turm“ oder den atelierfrischen „Scheinparallelen“ noch immer an. Die Linie ist denn auch das bestimmende Element in ihrem Werk geblieben. Doch schon vor gut und gerne 30 Jahren hat die 1942 geborene Künstlerin den Aufbruch in den Raum gewagt. Seither verbindet sie dünne Holzstäbe aus dem Prozess heraus zu geometrischen, Dreieck, Trapez oder Parallelogrammen vorstellenden Konstellationen. Allein, man kriegt die Konstruktion doch kaum zu fassen, lösen sich die farbig gefassten, linear beschriebenen Flächen doch je nach Licht und Schatten und Betrachterperspektive immerzu in andere Formen auf.
Der künstlerische Prozess ist unterdessen auch im Werk Ingrid Sperrles wesentlich. Arbeitet hier doch trotz der strengen, konkret anmutenden Formen ihrer Bilder nicht zuletzt der Zufall mit, wenn die von der Bildhauerei kommende und mithin gerade umgekehrt wie Lincke-Zukunft vom Raum in die Fläche gelangte Künstlerin ihre vorwiegend monochrom anmutenden Bilder malt. Oder, um genau zu sein, von Wasser, Zeit und Eisen gleichsam malen lässt. Und dann schaut, was passiert. Stets sind es Fundstücke aus dem Schrotthandel, die sie auf vorgefundenen Stoffen, auf Baumwolle und Seide etwa, zu hier strengen, dort fremd und archaisch anmutenden Kompositionen anordnet und über Tage, Wochen, Monate wässert, dass der Rost sich hier schmutzig braun, dort leuchtend orange, glühend rot oder pechschwarz wie verbackener Asphalt in die textile Oberfläche fresse. Werden und Vergehen gleichermaßen.
Die Ausstellung in der Galerie m50, Oberursel, Ackergasse 15 a, ist nach telefonischer Vereinbarung unter 01 60/8 05 05 14 zu besichtigen.