Paris – ein Fest fürs Leben (Ernest Hemingway / 1957 -’60)
Fotografien der 1950er Jahre von Ursula Seitz-Gray (1932 – 2017) 

Ausstellung
vom 16. Oktober
(Vernissage: 18 – 19 Uhr / es spricht Direktor Dr. Stephan Mann vom Museum Goch)
– einschl. 20. November 2026

zum Betrachten, bitte, anklicken

„Paris trägst du für den Rest deines Lebens in dir.“ *
Wer, wie ich, Ende der 1970er Jahre oft in Paris sein durfte – mein Vater lebte dort für ein halbes Jahr in der Cité des
Arts durch ein Stipendium der Bundesrepublick Deutschland –, der fühlt sich beim Betrachten dieser Fotografien so-
fort zurückversetzt in diese Zeit.

Die Ansichten sind vertraut. Erlebtes lebt wieder auf.
Unser Blick auf die Fotografien von Ursula Seitz-Gray aus den 1950er Jahren, verdienen es, neben aller Romantik für Paris, als künstlerische Werke beachtet zu werden!
Die Fotografin sucht Stellen auf, die sich außerhalb der üblichen touristischen Attraktionen befinden und zeigt uns
so das ungeschönte Leben und die „unscheinbare“ Plätze oder Hausfassaden, die sonst unbeachtet blieben. Wir Betrachter können unser Sehen umstellen, indem wir die gezeigten Elemente nicht mehr nur als, wie die zuvor ge-
nannten Hausfassaden mit Schornsteinen erfassen, sondern – ganz abstrakt – als verschiedene Flächen wahr-
nehmen und so zu einem grafischen Werk werden lassen.
Dass ihre fotografischen Beschreibungen vom Paris der 1950er Jahre mehr sind, als nur reine Dokumentation, ist
belegt. Ursula Seitz-Gray verwendet schwarz/weiß-Filmmaterial, obwohl Farbfilme schon seit dem Ende der 1930er
Jahren von Profi-Fotografen verwendet werden. Sie erzeugt damit vor allem Stimmung. – Denn: ein gutes panchro-
matisches schwarz/weiß-Foto ist „wahrer“ als eine Fotografie mit schlechten oder überzogenen Farben. – Zur er-
zeugten Stimmung, die wohl auch ihr tief empfundenes gutes Gefühl für diese Stadt erkennen lässt, trägt die Aus-
wahl des Fotopapiers mit leichter Tonigkeit bei, das die Fotokünstlerin wählt. Vor allem aber ist es die Auswahl des Ausschnitts eines Motivs. Vor ihrem geistigen Auge bildet sich sofort, beim Anblick eines Motivs, der Ausschnitt, der später im Atelier bzw. der Dunkel-
kammer ausgearbeitet wird, wenn es nicht gelingen kann, diesen Ausschnitt bereits beim Fotografieren zu ermög-
lichen.

Wissen, Technik und Experimentierfreudigkeit bilden die Voraussetzungen des künstlerischen Repertoires auch der Fotografin Ursula Seitz-Gray.
„Es ist eine Illusion, dass Fotos mit der Kamera gemacht werden… sie werden mit dem Auge, dem Herz und dem Kopf gemacht.“ So äußerte sich Henri Cartier-Bresson, dem Mitbegründer Magnum-Photos.
Genau das trifft auf Ursula Seitz-Gray und ihr fotografisches Werk, von dem wir hier einen kleinen Teil sehen können, zu!
Gabriele Wittner.

* Titel der Rezension von Richard Kämmerlings, anlässlich der 2011 erschienenen Neuübersetzung von Ernest Heming-
   ways „Paris – ein Fest für’s Leben“ (zu dessen 50. Todesjahr) von Werner Schmitz (Welt am Sonntag am 26.7.2011)